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Erfahrungsbericht von Lea Skott über ihr Jahr in Brasilien

 

17.09.2005

 

Soooo nach 4 Monaten meines Austauschjahres in Brasilien will ich mich dann auch mal melden und so ein bisschen berichten, wie es mir bis jetzt so ergangen ist...Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich hier in Barra Bonita (einer kleinen Stadt mit ca. 35.000 Einwohnern und ca. 4 Stunden von São Paulo entfernt) angekommen bin und meine Gastfamlie das 1. Mal gesehen habe. Als erstes wurde ich erst mal von allen umarmt und dann musste ich gleich mit ihnen Heim fahren, weil es ja Essen gab. Schon da ist mir aufgefallen, dass Brasilianer viel herzlicher sind als wir Deutschen und viel mehr küssen und sich umarmen. An meinem 1. Tag haben wir erst zu Hause gegessen und danach hat meine Gastschwester und mein Gastvater mir noch mit dem Auto die Stadt gezeigt. Auf der Autofahrt haben mir die beiden dann auch noch ganz viele Sachen über die Stadt erzählt, wo was is usw. , aber ich konnte das gar nicht alles so schnell aufnehmen. Kann mich noch genau erinnern, wie ich neben meinem Gastvater auf dem Beifahrersitz sass und auf der einen Seite total glücklich war, dass mich meine Gastfamilie so herzlich begrüsst hatte, aber auf der anderen Seite total müde war und einfach nur schlafen wollte.

Am Montag (ich bin Sonntag angekommen) bin ich dann auch gleich in die Schule. Als wir (2 AFSler aus den USA und ich) das 1. Mal die Klasse betreten haben, haben uns die Schüler dort gleich Plätze zu gewiesen und alle wollten mit uns reden usw.. Nach 3 Wochen haben wir dann die Klasse gewechselt, weil wir erst im letzten ?Highschool Year? waren und fast alle Schüler älter als wir waren und der Stoff dort ziemlich schwer war. Wir sind dann ins 2. ?Highschool Year? , wo wir jetzt auch immer noch sind. In den ersten Wochen bin ich fast nur mit meiner Gastschwester weg und ich hab fast alles mit ihr gemacht. Sie hat mir alle ihre Freunde vorgestellt, wir haben Sachen mit ihnen unternommen und sind fast jeden Tag in Fitnessstudio und/oder Joggen gegangen. Hab auch nicht wie fast alle anderen AFSler hier zugenommen, sondern abgenommen. Nach ca. 9 Wochen hab ich meine Gastfamilie gewechselt, weil ich mit meiner gleichaltirgen Gastschwester net mehr so gut verstanden hab. Ich hab meine 1. Gastfamlie echt gemocht und weiss auch echt zu schätzen, was sie für mich getan haben, aber da waren Probleme bei denen ich wusste, dass ich sie niemals lösen kann. Auf jeden Fall hab ich vor 8 Wochen zu einer Freundin aus meiner Klasse gewechselt und bin jetzt total glücklich, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Hier gehts mir echt besser und ich hab jetzt auch die Freiheiten, die mir in meiner 1. Familie schon ein bisschen gefehlt haben. Hab zum Beispiel gleich in der ersten Wochen nen Haustürschlüssel bekommen und hab auch beim Weggehen mehr Freiheiten. Meine Gastschwestern sind 16 und 21. Meine Gasteltern sind unter der Woche eigentlich den ganzen Tag am arbeiten und sind nur am Wochenende länger zu Hause.

 

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Ich und meine beste Freundin

Jaa über Parties. Ist schon ein bisschen anders hier, als in Deutschland. Man geht hier so um 1 Uhr auf die Party und kommt so um 5 Uhr morgens Heim. Brasilianer sind echt die Unpünktlichkeit in Person. Wenn man sagt, dass das Churrasco (so ?ne Art Grillen) um 14 Uhr anfängt, kommt so der erste Gast um 15.30 ungefähr an. Aber da gewöhnt man sich schnell dran und macht es selber genauso. Brasilianer haben eben Zeit für alles und vor allem fürs Reden. Brasilianer lieben es nämlich sich zu unterhalten, nicht unbedingt über ihr Leben, aber über das Leben anderer.

Werd hier auch als still abgestempelt, aber das liegt wohl daran, dass ich die Sprache vor allem am Anfang noch net so gut konnte und weil ich immer erst mal still bin, wenn ich eine Person nicht kenne. Noch mal zur Sprache, am Anfang war es schon manchmal komisch, wenn du da mit der ganzen Familie am Tisch sitzt und alle um dich rum reden und du hockst da und versuchst verzweifelt herauszufinden, worüber die Unterhaltung gerade geht, aber das ist echt vergeblich am Anfang.. (Erinnert mich an das eine AFS-Spiel bei der letzten Vorbereitung). War vielleicht auch ein Fehler, dass ich am Anfang mit meiner Gastschwester viel englisch geredet hab und nicht gleich portugiesisch. Aber zum Beginn ist es echt einfacher, wenn man jemanden hat, der englisch redet und mit dem man sich verständigen kann. Ausserdem konnt ich so auch noch mein Englisch verbessern. Auf jeden Fall klappts jetzt immer besser mit der Sprache und ich merke, dass ich immer mehr verstehe und auch mehr lerne, weil in meiner neuen Gastfamlie keiner mehr mit mir englisch redet. Zum Thema Heimweh... Ja, hat ich auch am Anfang, aber nie so schlimm, dass ich wirklich nach Hause wollte.

Im Moment ist alles gut und ich hab mich in meiner 2. Familie jetzt auch schon eingelebt und alles wird zum Alltag. Vor einem Monat hab ich angefangen E-Gitarrenstunden zu nehmen und hab mir auch schon eine Gitarre gekauft, weil die hier voll billig sind.

Also alles im allen hab ich es nie bereut, dass ich den Schritt gewagt hab, 1 Jahr im Ausland zu verbringen und ich hoffe ich hab noch viel Spass hier. Freu mich auch schon auf die Nord- Ostreise im Januar 2005.


Sooooo dann will ich mich mal wieder aufraffen und euch ein bisschen über mein Leben hier in Brasilien erzählen.
Soll sich jetzt nicht so anhören, als ob mir das keinen Spass machen würde, aber irgendwie ist es doch schwer Zeit zufinden, mal wieder was zu schreiben. Hätt ich vorher auch net gedacht, aber man hat hier so viel zu tun und ehe man sich versieht, ist das Jahr schon fast rum..Also seit dem letzten Mal das ich was geschrieben hab, ist ja jetzt schon einige Zeit vergangen und es ist auch einiges passiert.

Anfang Dezember haben die Ferien angefangen, die ich den 1. Monat daheim mit nichts tun verbracht hab.. Am 23. Dezember hatte ich dann Geburtstag und der Tag is folgender Masen abgelaufen... Bin so um 13 Uhr aufgestanden und meine Gastschwester und Gastmama waren schon weg (Geschenke für Weihnachten kaufen) und mein Gastvater war arbeiten. Also war ich mit der Putzfrau allein zu Hause und hab mich halt mit der ein bisschen drüber unterhalten, dass man in Brasilien um die Küche zu putzen, die ganze Küche auch überschwemmt... Nachmittags hat dann noch meine Tante angerufen und später auch noch meine Mama. Abends als dann alle wieder zu Hause waren, war ich etwas traurig, weil es eben doch anders war als daheim. Hab dann noch einen Presentkorb mit Schokolade und Obst bekommen (weil ich doch so gerne Obst esse) und wir sind dann noch Pizzaessen gegangen. Also im Prinzip war es doch ganz nett, aber eben trotzdem anders als zu Hause. Genau das gleiche kann ich auch über Heiligabend sagen. Haben mit der ganzen Familie bei ungefähr 30 Grad draussen gefeiert und gegessen. Die Geschenke hab ich zusammen mit meiner Gastschwester unterm Weihnachtsbaum ausgepackt, was echt voll lustig war.. So unterm Plastikweihnachtsbaum, den wir am Tag vorher aufgestellt haben.. Danach sind wir noch auf ne Party gegangen und am nächsten Tag waren wir dann bei Verwandten eingeladen zu Essen.

Sylvester war ich erst auf ner Party von ner Freundin und irgendwann nach Mitternacht sind wir dann alle noch auf ne Party gegangen.. Sylvester läuft eigentlich genauso ab wie in Deutschland.. Nur das alles draussen is und, dass man aus irgendwelchen Gründen weisse Klamotten tragen soll.

Im Januar kam dann das nächste grosse Ereignis und zwar meine Nordostreise. Bin am 04.01 mit noch zwei anderen ATS aus ner anderen Stadt hier in der Nähe abends in den Bus nach Belo Horizonte gestiegen, von wo dir Reise dann losgehen sollte. Wir sind morgens so gegen 8 Uhr in Belo Horizonte angekommen und haben dann die anderen 90 ATS, die mit auf der Reise waren, getroffen. Am übernächsten Morgen haben wir und dann auch schon auf die lange Fahrt nach Brasília der Hauptstadt gemacht. Dort haben wir uns dann einen Tag lang alle wichtigen touristischen Sachen angeguckt und am nächsten Tag ging es schon weiter nach Lençois, was in der Chapada Diamantina liegt.. Nach Lençois war ich noch in der Städten Natal, Maceio, Fortaleza, Recife, Salvador, Porto Seguro und Rio de Janeiro. Am meisten von diesen Städten hat mich Rio de Janeiro beeindruckt. Einfach nur traumhaft diese Stadt und ich will auf jeden Fall noch mal da hin...

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Ausblick auf Rio de Janeiro

Insgesamt hat sich die Reise auf jeden Fall gelohnt und ich hab noch mehr von Brasilien kennengelernt.. Dass der Norden Brasiliens ärmer ist als der Süden habe ich auf dieser Reise schon gemerkt.. Die Städte im Norden sind alle arm und schmutzig und es gibt viel mehr arme Menschen, die einen um Geld bitten...

Nach der Reise wieder daheim angekommen und eine Nacht kaum geschlafen, war dann auch schon Carneval, der 5 Nächte gedauert hat und ich 5 Nächte da war und immer bis zum Ende ausser in der letzten Nacht, weil da die Leute mit Wasser bespritzt wurden und ich mir draussen in der Kälte nicht den Tod holen wollte..Carneval besteht hier eigentlich nur da drauss, zu trinken, zu tanzen und Spass zu haben.. Also ich hab meine Spass gehabt und es war echt lustig.. Werd Carneval nächstes Jahr auf jeden Fall vermissen..

Die Woche nach Carneval hat dann auch schon (nach fast 3 Monaten Ferien) die Schule angefangen. Nachdem ich eine Woche auf die Privatschule, auf der ich vorher auch schon war, gegangen bin, hab ich danach auf eine öffentliche Schule gewechselt, wo ich jetzt seit 2 Wochen bin. Habe jetzt nur noch bis 12 Uhr Schule und 5 Stunden am Tag. Vorher hatte ich auch noch nachmittags Unterricht und die Sachen zum lernen waren viel schwerer und keiner hat mir etwas erklärt.. Jetzt haben die Lehrer etwas mehr Zeit und können einem auch mal was erklären und ich hab auch schon einen Test in Physik mit geschrieben.. So das wars erst mal fürs erste.. Werd wohl erst wieder was schreiben, wenn ich schon wieder daheim in Deutschland bin...

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Ich und Freundinnen bei meiner Abschiedsparty